Menschen, Tiere, Religionen

Und weiter geht´*s mit unseren Beobachtungen. Den Impuls, jedes Thema noch um mehrere Aspekte ergänzen zu wollen, unterdrücke ich. Aber ein Nachtrag sei noch gestattet: Unter dem Aspekt der nonverbalen Kommunikation erleben wir hier das sri-lankische Kopfschlenkern. Nicht zu verwechseln mit dem indischen Kopfschieben (Kopf bleibt gerade und rutscht auf dem Hals nach rechts und links) ist es hier wirklich ein seitliches Wackel-Dackel-Pendeln (das ist nicht abfällig gemeint, sondern beschreibt genau die Bewegung). Wir würden es am ehesten als ein „Naja“, ein mitleidiges „Wenn Sie wirklich meinen.“ oder auch „Ich weiß nicht so recht.“ interpretieren. Gemeint ist jedoch ein deutlich positives, zustimmendes Einverständnis, oft am Ende eines kurzen Dialogs. Das uns bekannte Nicken oder Kopfschütteln existiert ebenso.

Menschen: Wenn sie so den Kopf wiegen, wirken die Sri Lanker sehr freundlich – und so sind sie auch. Zur Begrüßung gibt es oft Augenkontakt und Hände falten, sie sind hilfsbereit und rücksichtsvoll. Auch wenn jeder Tuktuk-Fahrer uns fragt, ob wir ein Taxi benötigen und uns dafür auch ein paar Meter hinterherfährt, lässt er bald ab, wenn man unmissverständlich und freundlich ablehnt. Selbst im dichtesten Gedränge fühlen wir uns nicht unwohl, werden selten behelligt. Bislang haben wir uns allerdings auch eher in der gehobenen Tourismus-Blase bewegt, der Service-Gedanke in diesem Bereich ist durchaus ausgeprägt (und Trinkgeld-erwartend, das hatten wir in der Budget-Planung nicht so ganz berücksichtigt).

Tiere: Sri Lanka hat mehrere Nationalparks. Zwei davon haben wir per Jeep-Safari befahren, was in jedem Fall eine zugige und schaukelnde Erfahrung ist. Die ganz großen Tierbeobachtungs-Lottogewinne waren nicht dabei, aber es haben sich uns viele Pfauen, Wasserbüffel, Hirsche und Rehe, Affen und auch Elefanten gezeigt. Leider war die Foto-Jagd auf die Elefanten ein eher unschönes Erlebnis: jeder mit Touristen beladene Jeep versucht so nah wie möglich an einen der grauen Riesen heranzukommen, fährt dabei wild durch die Botanik und schneidet dem bis dahin friedlich fressenden und wandernden Rüsseltier auch gern mal den Weg ab. Wir haben unseren Fahrer nicht aufgefordert, bis zum Äußersten zu gehen, das war ihm auch ganz lieb. Trotzdem sichten konnten wir auch Mungo, Leguan, Adler und andere bunte Vögel (sich die Bezeichnungen auf Englisch zu merken, habe ich aufgegeben). Fast noch interessanter ist die Beobachtung der munteren Tierchen, wenn sie unverhofft rechts und links des Weges auftauchen. Affen sind nicht selten unterwegs, auch einem Elefanten sind wir so am nächsten gekommen. Weitere Exoten wie Chamäleon, Geckos, Kormoran, Schildkröte und einige Streifenhörnchen haben wir gesehen. Streunende Hunde sowie Ziegen- und Rinderherden auf den Straßen laufen ja bei uns unter dem Thema „Verkehr“. Der Löwe auf der Nationalflagge kommt vom Wortteil „Singha“ = Löwe, ist aber hier nicht heimisch!

Religionen: Der hier vorherrschende Buddhismus zeigt sich in unzähligen Buddha-Statuen, kleinen Tempeln und Schreinen am Wegesrand und vielen Dagobas, auch Stupas genannten, glockenförmigen, weißen Kuppeln. Auch bunte Hindu-Tempel haben wir schon oft gesehen, aber noch keinen davon besucht. Außerdem existieren katholische Kirchen (und die dazugehörigen Gläubigen) sowie muslimische Moscheen, der Ruf des Muezzin ist unüberhörbar. Die Sonntage sind arbeitsfrei, die Geschäfte haben geschlossen. Außerdem ist aber auch jeder Vollmond-Tag ein buddhistischer Feiertag (an dem übrigens kein Alkohol verkauft, ausgeschenkt oder getrunken werden darf, auch nicht in unserem Luxushotel). Zusammen mit dem Nationalfeiertag der Unabhängigkeit und noch einigen Gelegenheiten haben die Sri Lanker wohl weltweit die meisten Feiertage. Die vier Religionen sind sich aber einig, dass alle gegenseitig von den Feiertagen profitieren sollten. Ob sie sich sonst so ganz unkritisch gegenüberstehen, konnten wir noch nicht herausfinden…
Jedenfalls haben wir die bekanntesten und ältesten buddhistischen Heiligtümer und Königsstätten besucht (Tempel und heiliger Baum in Anuradhapura, Königsfelsen in Sigiriya, Zahn-Tempel in Kandy). Wir wissen jetzt, wie man erkennt, ob ein liegender Buddha schlafend oder tot dargestellt ist, was die Gesten seiner rechten Hand bedeuten und was die Farben der buddhistischen Flagge darstellen (Wissensabfrage gern bei Gelegenheit, wenn wir es bis dahin nicht wieder vergessen haben! :-)) Uns wurde ausführlich erklärt, welche Blüten geopfert werden, welche Farben sie haben können, wie sie riechen, wie sie heißen (da war’s wieder, Botanik auf Englisch), außerdem wurden uns ein kleiner giftgrüngelber Buddha mit vielfarbigem Sitzdeckchen, Stoffblüten und kleine Fahnen übereicht – mal sehen, ob und wo wir zu Hause eine Verehrungsecke einrichten werden? Auch wenn uns Manches übertrieben kitschig, naiv oder übertrieben vorkommt: die Grundidee ist durchaus reizvoll und die Stimmung unter den gläubigen Besuchern war extrem friedlich und wohltuend! Und ich als Katholikin sollte mich wohl am wenigstens über seltsame Bräuche wundern.

Inzwischen haben wir das Ende unserer ersten Reise-Etappe erreicht, die Rundreise ist abgeschlossen. Ab morgen startet das Beachvolley-Camp am Strand. Wir sind schon sehr gespannt, wie wir als Anfänger uns dort anstellen werden… Jedenfalls müssen wir die angefutterten Kilos mit durch den Sand wuchten, aber dadurch kann’s ja nur besser werden 🙂 Mit welchen leckeren Versuchungen uns diese Kalorien zugeflogen sind, erzähle ich beim nächsten Mal!

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