It´s so American!!!

Nachdem wir den großen Seen den Rücken bzw. Auspuff zugekehrt hatten, führte unsere Fahrt quer (und kreuz) durch den Bundesstaat Pennsylvania. Weitere große Städte standen nicht auf dem Plan, stattdessen einige so wunderbar typisch amerikanische Programmpunkte, dass auch ich meine Freude daran hatte.

Shopping!!! Ja, alle vier Kinder wissen nun: Juliane will Schuhe kaufen, sozusagen shoe-shopping! ? Hab ich auch gemacht. Aber in diversen Factory-Outlets und sonstigen Shopping-Malls inklusive Macy´s haben auch alle anderen neue Sachen bekommen. Undurchschaubar dabei, die möglichen Rabatte – ich hab irgendwann aufgegeben und mich einfach nur gefreut, wenn die neue Hose statt des Originalpreises von 49,- USD durch diverse Prozente, Sales und Deals plötzlich nur noch 9,99 USD gekostet hat. Priml ?

Im Übrigen haben wir bis zum Ende der Fahrt keine wirklich günstige Möglichkeit gefunden, bei Lebensmitteln zu sparen. ;-( Alles ist hier deutlich teurer, selbst wenn mal drei Paprika für den Preis von zwei zu haben sind oder zwei Packungen Cornflakes für weniger als das Doppelte, aber nicht wirklich zwei für eins angeboten werden. Und verwirrend ist obendrein, dass alle Preise OHNE Mehrwertsteuer benannt sind – das böse Erwachen kommt also an der Kasse noch einmal. Insgesamt ist es aber natürlich trotzdem günstiger, sich selbst zu bekochen und zu frühstücken (immerhin haben wir versucht, dabei Obst und Gemüse mit auf den Tisch zu bringen – und manchmal wurde es auch gegessen, yeah!).

Nächste amerikanische Kuriosiät: Hershey´s Chocolate World. Hershey´s ist eine ähnlich erfolgreiche Marke wie Ferrero in Europa. Im Ursprungsort Hershey haben die Marketingexperten unterdessen ein Erlebnis-Center errichtet, in dem natürlich alles über die Herstellung der köstlichen Schokolade, die überwältigende Erfolgsgeschichte und die total leckeren Produkte zu erfahren ist. Selbstverständlich in den buntesten Farben, mit überlebensgroßen Figuren der Schoko-Erzeugnisse (also wie ein laufender Kinderschokoladen-Riegel) und in ohrenbetäubender Lautstärke. Bei der Fahrt durch die nachgestellte Produktionskette hatte ich Lachtränen in den Augen, als die Kühe im Stall zusammen mit dem Schwein im Misthaufen ein fröhliches Liedchen trällerten! ? Übrigens war der Eintritt frei, jedoch fast jede weitere Aktion mit einem Aufschlag versehen (selbstverständlich im Package billiger, kauf zwei Erlebnisse und spar dir das Dritte – oder so ähnlich). Wir bezahlten für eine Schokoladenverkostung und ein 4D-Kino-Event. Und man muss es ihnen lassen, den Amis, letztlich ist alles richtig gut gemacht und organisiert, die Show perfekt.

Um den nächsten Tag im ebenfalls installierten Vergnügungspark mit Achterbahnen und allem Drm und Dran zu erleben und nicht weit fahren zu müssen, hatten wir uns auf dem (oh, welch Zufall) nahe liegenden Hershey´s Campground einquartiert (inklusive Bus-Shuttle zu den Attraktionen). Bereits am Abend auf dem Rückweg aus dem Schoko-Paradies erlebten wir allerdings Starkregen und Gewitter, unser Wetterglück hatte sich endgültig verabschiedet.
Dummerweise befand sich unser Stellplatz an einem kleinen Bach, in dem Merle noch am Nachmittag fröhlich herumgewatet war. Mir war schon mulmig und an Schlaf, auch wegen des anhaltend platternden und aufs Dach trommelnden Regens, war kaum zu denken. Als dann um 4.00 Uhr morgens auf Mareks Handy eine offizielle Überflutungs-Warnung kam und draußen schon Service-Personal seine Runden drehte, wurde uns ein höher gelegener Platz zugewiesen und wir fuhren das einzige Mal in Schlafanzügen und ohne angeschnallt zu sein. Der Bach hatte sich zu einem rauschenden Fluss entwickelt, es bestand Sorge, dass die kleinen Brücken ebenfalls überflutet würden. Tatsächlich fiel in den kommenden drei Tagen nochmal sehr viel Regen in unserem Reisegebiet, auch die Einwohner litten unter Überschwemmungen. Der Vergnügungspark wurde gesperrt und so mussten wir spontan umplanen.

In Harrisburg besuchten wir stattdessen ein Museum zum Amerikanischen Bürgerkrieg. Zugegeben ein krasser Kontrast zu den eigentlich geplanten Spaß-Stunden, aber eben auch ein ureigenes amerikanisches Thema. Immerhin hat es uns endlich über die Hintergründe und Umstände informiert, die Aufmachung war eindrücklich und unparteiisch.

Marek hatte sich eine schlimme Nasen-Neben-Ohren-Höhlen-Verstopfungsentzündung zugezogen, über die er sich fast nie beklagt, aber doch ganz schön darunter gelitten hat. ☹ Einige fiebrige Nächte und ewig verstopfte Ohren hätten vielleicht einen Arztbesuch verlangt – aber zum Glück hat er es auch so überwunden. Der Rest der Reisegruppe blieb davon und auch von anderen ernsthaften Leiden verschont.

Ein weiteres typisches Thema sind die in dieser Gegend der USA lebenden Amish-People. Eine aus ehemaligen Einwanderern entstandene Religionsgemeinschaft mit strengen Regeln, die vor allem die Nutzung von elektrischem Strom und eigenen Kraftfahrzeugen verbietet, außerdem insgesamt ein eher asketisches Leben und absolute Zusammengehörigkeit verlangt. Dies drückt sich auch in der schlichten, einheitlichen Kleidung aus. Die Amish leben von der Landwirtschaft und sind eigentlich auch bekannt für ihre handwerklich gut gemachten Produkte.
Daher hatte ich mir ein hochwertiges Einkaufserlebnis versprochen, aber aaaaaaaaaah: nur Kitsch und Ramsch, ganz bestimmt nicht von Hand gemacht, dafür von Kristallglasfigürchen bis zum Pseudo-Trödel alles in Hülle und Fülle. Zum Glück steuerten wir letztlich noch ein altes Farmhaus an, das sogenannte „Amish Village“, in dem wir auf einer Führung etwas mehr über das Leben und die Gewohnheiten der Amish erfuhren, eine kleine Korrektur des Shopping-Disneylandes, das wir vorher erlebten.

Kleine Anekdote am Rande: beim Mittagsimbiss in einer Amish-Bakery (auch ganz auf Touristen eingestellt) verbrühte ich mir an einem vollen Kaffeebecher, den mir die Mitarbeiterin überreichte, leicht die Hand. Ganz ami-like wurde schnell Eis gereicht und als Entschuldigung wurde uns ein Speise-Eis versprochen. Zuschauer des Geschehens rieten mir zu einer Anzeige – aber das wäre dann doch etwas zuviel Aufhebens gewesen, hat auch keine Spuren hinterlassen. Das Eis, das wir dann ausgehändigt bekamen, trug nicht nur vielkalorienversprechende Namen wir „Birthday-Cake“, „Peanut-Butter-Chocolate-Chip-Chunk“ und „Cookies-and-Cream“, es hat uns auch total überfordert!!! Trotz angeblich kleinster Portionierung mussten wir alle (nein, Leo hat es heldenhaft vertilgt!) den Rest entsorgen und waren zum platzen voll. It´s so american! ?

Und dann spielten Wetter und Reiseroute doch noch mit und wir konnten am letzten Tag vor New York in den Six Flags Vergnügungspark gehen. Zum Glück war es ein Wochentag und die Wartezeiten an den Achterbahnen und sonstigen Schaukeln, Karussells und Fahrgeschäften (oh, auf Englisch klingt das alles etwas cooler…) recht kurz. Wir haben alles mitgenommen: Wildwasserbahn, Kinderachterbahn, Kettenkarussell in gefühlt 100m Höhe, Riesenrad, Gondelbahn, gigantische Schaukel und auch noch die wahrlich grenzwertige „El Torro“ Bahn, die Leona, Marek und mir fast einen Herzstillstand bescherte, an begeistertes Kreischen war nicht mehr zu denken! Nach über fünf Stunden mit Sonne, Spaß, Aufregung und Eis fuhren wir unserer letzten Nacht im Wohnmobil und dem Einpacken, Ausräumen und Ausziehen entgegen.

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