Wüste(n) Vielfalt

Unsere Wüstentour-Gruppe bestand aus sechs Passagieren: einem weiteren deutschen und einem jungen französischen Pärchen. Mit Marianne und Wolfgang hatten wir viel Spaß, mit den beiden Franzosen lief die Unterhaltung nur über unser aller unvollständiges Spanisch und war daher eher verhalten. Zusammen mit unserem spanischsprachigen Führer und Fahrer Carlos, den großen Rucksäcken auf dem Dach und uns mit Handgepäck in den großen Jeep gequetscht ging es zuerst zum Friedhof der Züge. Hier rotten die nicht mehr benötigten Loks aus den großen Zeiten des Abbaus von Bodenschätzen vor sich hin. Eigentlich Umweltverschmutzung – aber hier schön als surreale Attraktion an die Touristen verkauft. In jedem Fall kam erstes Wüstenfeeling auf.

Dan führte unser Weg direkt in die Salzwüste Uyuni. Die ehemals von Meerwasser bedeckten Flächen, die inzwischen mit dem Anden-Gebirge in die Höhe gedrückt wurden, bilden in der Trockenzeit (und es ist gerade viel zu trocken in Bolivien, inklusive Wassernotstand in den Städten) eine einzige Salzfläche, die meist in charakteristischen Hexagonen aufbricht. Durch Sandstürme wird die blendend weiße Ebene gelegentlich beige eingefärbt (unser Vorschlag: einfach mal wieder mit dem Kärcher rangehen, haha). In einem kleinen Dorf läuft die Salzverarbeitung auf sehr simplem Niveau. Leider gibt es außerhalb von Bolivien keinen Absatzmarkt, so dass die Menschen davon leben müssen, das Salz sehr günstig an Touristen und im Inland zu verkaufen.

Unser Mittagessen gab es in einem ausschließlich aus Salzblöcken errichteten Gebäude, auch der Boden war von Salz bedeckt (wirkte wie Sand) und die Möbel bestanden ebenfalls aus festem Salz (was wiederum aussah wie Eis – insgesamt eine verwirrende Mischung). Entgegen unseren Erwartungen war es recht warm, die Sonne brannte. Anschließend brachte uns Carlos endlich in den Teil der Salzwüste, wo bis auf den Horizont und ferne Berge jede Größenrelation verschwindet und man daher lustige Fotos machen kann. Ihr werdet sehen – allerdings mussten wir feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, die perfekte Illusion fotografisch hinzubekommen…

Straßen gibt es hier natürlich nicht, nur die Fahrspuren zeichneten sich in der ewig weiten Ebene ab. Und plötzlich erhebt sich eine Insel aus dem Salzmeer. Hier wachsen riesige Kakteen, sogar kleine Vögel beleben das Bild. Wir durften gegen Eintritt ein bisschen herumwandern und vor allem das Klo benutzen (zugegeben ein ewig wichtiges Thema das ggf. auch mal hinter dem Auto erledigt werden musste, wenn das letzte und nächste Baño einfach zu weit weg waren).

Beim letzten Stopp des Tages sahen wir, wie die Salzblöcke (z.B. zum Bau der Gebäude) aus der Fläche geschnitten werden. Nicht nur wir formten die unregelmäßigen „Steine“ zu Wörtern und kleinen Skulpturen. Die Nacht verbrachten wir in einer einfachen Herberge, immerhin noch im Doppelzimmer, aber mit Gemeinschaftsbad. Auch hier war viel aus Salz gebaut. Leider gab es keine Lüftungsmöglichkeit und unser Raum war stickig und warm, die Nacht entsprechend nicht so gut. Verrückt vor allem, weil immer und überall davor gewarnt wurde, dass es dort furchtbar kalt sein würde.

Am zweiten Tag führte unser Weg durch ewig weite Wüsten, mal mit Grasbüscheln mal mit Felsbrocken durchsetzt. Wir hielten ab und zu spontan an, um Fotos zu machen – aber diese Weite lässt sich kaum in Bildern einfangen. Besondere Haltepunkte bildeten z.B. Lavafelsformationen, wild durchlöchert und mit abenteuerlichen Überhängen. Auch vom Wind zu Skulpturen verformte Steine werden zu Sensationen wie dem „versteinerten Baum“ deklariert. An einer Stelle leben lustige Hasen-Chinchillas, sonst sahen wir Lamas und Vicuñas und einmal sogar einen Fuchs, der ganz neugierig ums Auto schlich. Besonders beeindruckend waren die Lagunen, in denen vor allem Flamingos leben. Durch Algen oder andere chemische Reaktionen teilweise rot, grün und leuchtend blau verfärbt bilden sie abstrakte Flächen in der ohnehin surrealen Umgebung.

Mittagessen wurde auf der Heckklappe serviert und am Abend erreichten wir die sehr schlichte Unterkunft im Nirgendwo. Diesmal wurde es wirklich kälter, die Nacht brachte Minustemperaturen. Eigentlich waren genug Decken vorhanden, aber meine kalten Füße wollten nicht warm werden. Außerdem machte mir die Höhe (4.200m) zu schaffen, so dass ich immer wieder mit Schnappatmung aus dem ohnehin leichten Schlaf hochschreckte. Es war bei weitem die unangenehmste Nacht meines ganzen Urlaubs! Eigentlich ganz gut, dass sie bereits um 4.15 Uhr beendet war, denn der Aufbruch war für 5.00 Uhr morgens geplant.

Nun war es erstmal überall kalt und sehr windig. Die Geysire beeindruckten durch wilde Dampfwolken, blubbernde Schlammlöcher und farbige Gesteinsschichten. Und natürlich hopsten immer auch andere Touristen herum, die munter Selfies und Naturbilder schossen. Merke, auch in der Wüste bist du nicht allein. 🙂 Zum Abschluss gab´s nochmal eine tolle Lagune vor Vulkankulisse (die Reihe der 6.000er Vulkane begleitete uns jederzeit). Dann erreichten wir die Grenze zu Chile.

Ausreise, Weitertransport, Einreise und Ablieferung im Hostel, alles lief problemlos. Da wir schon so früh aufbrechen mussten, waren wir trotz erneuter Zeitverschiebung (um eine Stunde) bereits mittags in San Pedro de Atacama und hatten den Tag noch zur Verfügung. Der kleine Ort ist eine Oasensiedlung, die Wüstenlandschaft drumherum kam uns schon bekannt vor. Die Sonne brannte und wir erkundeten das „Zentrum“.
Uaaarrrrgh, es kam uns vor wie Disneyland für Hippie-Tours. So viele Pseudo-Aussteiger-Typen und Dreadlock-Schlabberhosen-Verschnitte habe ich noch nie gesehen! Wirklich cool war nur, wer sich mit seinem Sandboard quer über dem Rücken oder einem möglichst verdreckten Mountainbike durch die sandigen Straßen drängelte. Inga und ich versuchten, uns mit Souvenir-Shopping und Kaffee-Trinken abzulenken. Außerdem hatten wir trotz Reisebuchung durch eine Agentur organisatorische Schwierigkeiten, die sich den Tag über hinzogen.

Nächster Tag: Schon wieder früh raus! Zwischen 6.00 und 6.30 Uhr sollten wir abgeholt werden, wir standen eine Dreiviertelstunde in der morgendlichen Kühle auf der Straße, bis unser Bus kam. Fazit des Ausflugs zu weiteren Lagunen und der chilenischen Salzwüstenvariante: das hätten wir uns sparen können. Außerdem war der GANZtagesausflug bereits um 14.00 Uhr wieder beendet. Schade, den Tag hätten wir bei sofortiger Weiterreise vielleicht in Santiago de Chile und Umgebung besser verbracht…
So machten wir eine ausgiebige Mittagspause (Schlaf nachholen, Magen beruhigen, Erkältungen auskurieren) und enterten am späten Nachmittag noch einmal das Backpacker-/Aussteigerparadies. Nach Durchsicht ALLER Souvenirshops und einem frühen Abendessen waren wir fertig mit dem Ort und begaben uns zu Bett.

Nun sind wir gespannt auf die Hauptstadt Chiles, ein Flug wird uns dorthin bringen. Und ich hoffe, dass sich dieses Land noch von einer anderen Seite präsentieren wird! Vamos a ver…

 

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