Zuviel Urlaub in zu wenig Zeit

Nun sind wir fast eine Woche lang unterwegs, aber die Eindrücke reichen schon für mindestens die dreifache Zeit. Nach so langer Fernreiseabstinenz und in einer ganz anderen Kultur und Natur prasseln die Bilder, Informationen, Wahrnehmungen und Verhaltensweisen nur so auf uns ein. Mich erinnert Vieles an meine Erlebnisse auf der Radtour durch Thailand, Kambodscha und Vietnam, auch die Einfachheit manch südamerikanischer Straßenkioske taucht vor meinem inneren Auge wieder auf. Marek, bislang ohne diese unkonventionellen Reiseerfahrungen, ist noch mehr beeindruckt von dieser fremden Welt.

Unsere Reiseroute bislang (für alle, die das nachvollziehen können oder wollen): Flug über Doha in Katar, Ankunft in Colombo (de facto Hauptstadt), weiter über Wilpattu Nationalpark nach Anuradhapura, ehemalige Königsstadt (wie so viele hier), dann Aufenthalt bei Sigiriya (auch mal Königssitz) und nun Weiterfahrt nach Kandy (na? richtig: ebenfalls königliches Regierungszentrum).

Im Folgenden ein Stakkato unserer bisherigen Impressionen, nicht nach Verlauf, sondern nach Themen sortiert.

Wetter: Warm, ja. Täglich bis zu 30°C, eher schwül. Darauf konnten wir uns aus dem Berliner Schmuddelwetter heraus, wo stets der Mann mit der Nieselregensprühflasche zugange war, schlecht vorbereiten. Es lässt sich aber erstaunlich gut ertragen, meist weht ein laues Lüftchen und oft sitzen wir auch in klimatisierten Autos oder Hotelräumen, aber der künstlich herbeigeführte Temperaturabfall ist nicht so heftig wie in den USA. Leider hatten wir in den ersten Tagen zum Teil heftige Regenfälle und langanhaltende Regenschauer, die für diese Jahreszeit und Region angeblich ganz untypisch sind… Vielleicht war es für den Anfang gar nicht schlecht, es hat uns von nichts abgehalten. Am ersten wolkig/sonnigen Tag haben wir uns dann gleich einen doofen Sonnenbrand auf Hals und Nacken eingefangen, weil wir zu spät reagiert haben. Zum Glück mussten wir wegen der Besichtigungen heiliger Stätten Schultern und Knie bedeckt halten!

Corona: Steht ja noch in keinem Reiseführer und die offiziellen Informationen versprachen uns sehr geringe Inzidenzen (angeblich unter 50) und keine Einstufung vom RKI als Hochrisikogebiet. Prima! Da sich das Leben aufgrund der stets hohen Temperaturen vorwiegend draußen abspielt, konnte ich das auch halbwegs glauben. Die Einreisebestimmungen waren streng: PCR-Test, Gesundheitszertifikat (Nachweis der Impfungen) und eine verpflichtende Krankenversicherung für Touristen für den Fall aller mit einer Corona-Infektion in Zusammenhang stehenden Maßnahmen. Was wir nicht wussten: hier herrscht grundsätzlich in der Öffentlichkeit Maskenpflicht, die auch von fast allen Menschen eingehalten wird. Erstaunlich! Egal ob auf dem Gehweg, im offenen Tuktuk, im Park, auf dem Tempelgelände unter freiem Himmel – wirklich überall! Das ist selbst uns zu viel… Außerdem gibt es viele Möglichkeiten, sich die Hände zu waschen und zu desinfizieren, die Hotels sind extrem sorgfältig mit allem. Nur beim Essen darf man die Maske abnehmen – tja, dann müssen wir eben öfter und länger mal was essen. 🙂 Und beim Besteigen der Berge haben wir uns selbst der Maskenpflicht enthoben, wie auch viele andere, das ist dann wohl ok. Wir sind uns auch nicht sicher, ob man ermahnt wird, manchmal reißen wir uns die Dinger vom Gesicht, wenn wir uns unbeobachtet fühlen, fast schon exhibitionistisch. In jedem Fall halten wir es für recht unwahrscheinlich, dass wir uns gerade hier mit dem ollen Virus infizieren werden.

Sprache: Singhalesisch und Tamilisch sind die Amtssprachen und so unterschiedlich, dass die Menschen sich gegenseitig wohl nicht verstehen können. Beide Idiome beherrschen wir nicht und wir fühlen uns auch nicht in der Lage, Worte und Kringel-Schriften in absehbarer Zeit zu erlernen. Bislang haben wir jedoch wohl nur Singhalesisch gehört. Leider hat unser Fahrer und Guide auf den Versuch, uns Wörter wie „Danke“ beizubringen, sehr verhalten reagiert – so wird das auch nichts mit der Urlaubs-Minimalfassung. Zum Glück ist so gut wie alles auch noch auf Englisch gekennzeichnet. Irgendwie sprechen auch alle Englisch, nur verstehen tun wir den Singsang leider nicht (sie uns auch nicht). Könnte auch an den Masken liegen, die es sehr erschweren. Jedenfalls kommt immer nur die Hälfte von dem bei uns an, was unser Tourguide sagt, bei anderen Servicekräften oft noch weniger. Wir umschiffen es mit Fassung bzw. haben uns angewöhnt, nochmal nachzufragen (nachdem wir erst immer dachten, der/die andere hat es sicher verstanden – nee).

Straßenverkehr (Gastbeitrag von Marek): Der Verkehr auf Sri Lanka wirkt auf uns ordnungsliebende Deutsche chaotisch. Zunächst einmal herrscht hier Linksverkehr mit allen Konsequenzen: Als Fußgänger kommen beim Überqueren der Straße die Autos immer unerwartet von der falschen Seite, Einstieg ins Auto erfolgt auf der anderen Seite und im Kreisverkehr fährt man im Uhrzeigersinn. 
Weiterhin gelten ungefähr diese Regeln:
. Sämtliche Verkehrsschilder und Ampeln dienen lediglich zur groben Orientierung und als Empfehlung.
. Spurmarkierungen gibt es, aber der Sinn erschließt sich uns nicht.
. Fahrradfahrer, Mopeds und Tuktuks gelten nicht als normale Verkehrsteilnehmer und müssen in der Lage sein, sich jeden Moment zu dematerialisieren.
. Überholen darf man grundsätzlich immer und jeden, gern auch Fahrzeuge, die bereits selbst überholen, auch wenn man nichts sieht oder Gegenverkehr kommt. Mit einer einzigen Ausnahme: an Fußgängerüberwegen gilt striktes Überholverbot mit wahrscheinlich drakonischen Strafen. Das führt dazu, dass ein Überholmanöver vor dem Zebrastreifen abgeschlossen sein muss, indem z. B. der andere abgedrängt wird (oder man selber abrupt abbremst).
. „Sicherheitsabstand“ klingt so deutsch, wie es ist. 
. Im Stadtverkehr gilt: wer die Nase vorn hat, hat Vorfahrt – also immer möglichst weit vorfahren, dann müssen die Anderen ausweichen.
Hupen heißt in jedem Fall erst einmal „Ich bin da“, außerdem auch: ich halte mich nicht an die „Regeln“, ich überhole, ich habe einen Freund gesehen, ich habe Lust zu Hupen, Tier geh weg. Also gehupt wird eigentlich immer, ist aber nie Ausdruck von Aggression oder Beleidigung.
Zusätzlich zu diesen Umständen schlafen Hunde (viele Hunde!) auf der Straße, queren Kühe, Affen oder Elefanten, stehen Menschen rum und warten oder es wird mal eben die Reis-Ernte zum Trocknen ausgelegt.
Kurzum, um nicht völlig zu verzweifeln, haben wir aufgehört, unserem Fahrer über die Schulter zu schauen und sind schnell dazu übergegangen, ihm zu vertrauen. Zugegeben, wenn er im dichten Verkehr auf seinem Handy rumtippt, um den nächsten Programmpunkt zu organisieren, und die andere Hand gleichzeitig hupen und lenken muss, fällt uns das schon etwas schwer. Aber auch das ist immer noch besser, als selber fahren zu müssen. 

Oh, nun müssen wir leider zum Dinner-Buffet unseres Fünf-Sterne-Domizils eilen, um unsere Energie-Speicher wieder aufzuladen. Bisher war das immer ein Hochgenuss und sehr vielfältig. Daher an dieser Stelle nur der Hinweis: Fortsetzung folgt!

Ferienkind + Selbstbaumöbel statt Sofa-Koma

Endlich geschafft! Dienstag, 1. Februar 2022: Das Büro hatte ich hinter mir gelassen, die letzten wichtigen Dinge erledigt, Manches für den Wiedereinstieg übriggelassen. Komisches Gefühl, sich jetzt drei Monate lang gar nicht darum kümmern zu müssen (und auch nicht zu dürfen). Marek hatte den Home-Office-Laptop schon am Freitag endgültig zugeklappt. Über hundert ungelesene Mails wurden noch von ihm beackert (lesen, weiterleiten, delegieren – Hauptsache weg damit!).

Als Sonntagsaufregung (und mitten in der Nacht gegen 4.00 Uhr) gab es noch den Abflug von Laurin nach Kanada, wo der 15-Jährige nun 5 Monate als Austauschschüler verbringen wird. Er hatte sich eine Woche lang bei uns „isoliert“, um nicht in letzter Minute die Abreise durch ein positives Corona-Test-Ergebnis zu gefährden. Es hat alles geklappt!

Da waren’s „nur noch“ drei (Kinder). Die beiden Abiturienten (Leona, 18, und Finnian, 17) gehen schon viele eigene Wege, entscheiden selbst, ob und wann sie Zeit bei uns verbringen. Aber die Viertklässlerin Merle übernahmen wir gleich am Flughafen, um die Winterferienwoche mit uns zu genießen.

Nun konnten Marek und ich zwar am Abend des 31. Januar auf den Beginn der Auszeit anstoßen, aber das Ferienkind verlangte Aufmerksamkeit und außerdem lagen da noch die gelieferten Kartons des großen schwedischen Möbelhauses, die um Aufbau bettelten. So wurde nichts aus meiner Absicht, in ein möglichst langes Sofa-Koma zu verfallen…

Stattdessen wollten wir mal eben schnell die neuen Stauraummöbel fürs Wohnzimmer aufstellen, nebenbei sinnvolle Ferienbeschäftigung anbieten und außerdem die üblichen Freizeittermine wahrnehmen (erstaunlicherweise machen ja alle anderen mit ihrem Alltag weiter ;-). So wurde Merle Zeugin von umständlichsten Handwerker-Maßnahmen, nur um einen individuellen Sockel für ein Standard-Selbstbaumöbel zu fabrizieren. Sie lernte, Anzeigen auf ebay-Kleinanzeigen selber einzustellen (und so den Restinhalt der Kinder-Trödelkiste im Internet anzubieten – nein, wir verkaufen keine Kinder, nur deren Spielsachen). Marek begleitete Merle beim Kinospaß und Merle uns zum Tanzunterricht und Badminton. Und zum großen Glück durfte sie zweimal lange Zeit mit dem Hund unserer Tanzfreunde um die Ecke verbringen.

Aber, oh weh, die Tage vergehen zu schnell, wir wollen doch noch eine lange Reise unternehmen und planen und buchen – und das ohne konkreten Ansatz! Also fix eine interne Juli-Marek-Besprechung angesetzt und eine Idee wieder aufgerufen: ein Beachvolleyball-Camp am Strand von Sri Lanka! Zwei Wochen trainieren, spielen, Strandurlaub mit Aktivität verbinden, yeah! Und das bei Wärme, Sonne, Traumumgebung, vom 20. Februar bis 6. März.

Nach einem Anruf beim Anbieter hatten wir bis Montag (heute) Zeit, das Drumherum zu organisieren und dann fest zuzusagen. Wir wollten früher hinfliegen, eine Rundreise über die Insel machen und dann die Zeit am Meer genießen. Sri Lanka gilt als landschaftlich sehr vielfältig, kulturell und historisch durch verschiedene Religionen und Völker geprägt und – im Moment auch relevant – kein Corona-Hochrisikogebiet! Der Beachvolleyball-Organisator gab uns den Kontakt zur deutschen Betreiberin des Beach-Resorts, die uns wiederum an einen George von Infinity-Travel, einer Reiseagentur vor Ort, vermittelte. Dieser versprach uns per WhatsApp(!) einen Reiseplan und ein Angebot zu senden, während wir versuchten, uns schonmal einen Überblick über Flugverbindungen und -preise zu verschaffen. Nicht gerade die Full-Service-All-Inclusive-Reiseplanungs-Variante – und zack, hatte ich mir eine schlaflose Nacht eingehandelt. Irgendwie stressig das Ganze, statt erholsam…

Aber nun ist alles in Sack und Tüten (nur das Gepäck noch nicht): Wir fliegen am Donnerstag, 10. Februar, hoffentlich negativ PCR-getestet, nach Colombo, Sri Lanka. Dann beginnt eine neuntägige Besichtigungstour mit Privatchauffeur und Führungen, Jeep-Safari, Bahnfahrt und Hotelübernachtungen. Nach den zwei Wochen Beachvolleyball mit Unterkunft im Doppelzimmer der Strandanlage, haben wir noch zwei Tage „übrig“, um uns auf die Rückreise am 9.3. vorzubereiten. Außerdem können wir vom Beach-Resort aus ebenfalls noch Ausflüge in die Umgebung (Regenwald, Nationalpark, heiliger Berg oder Unesco-Welterbe Kolonialstadt) unternehmen. Da es unsere Kondition gar nicht erlaubt, rund um die Uhr im Sand herum zu hopsen, brauchen wir ja Pausen und Abwechslung. Ach, ist das alles aufregend!

Daher, jetzt schnell noch letzte Reisevorbereitungen erledigt (und vielleicht noch die Möbel fertig aufgestellt?!) und dann ab in den Süden, naja, Äquator-Nähe. Ihr werdet von uns lesen!

Auszeit 2022

Unser persönlicher Zeitplan ist dieses Jahr etwas Besonderes: In den Monaten Februar, März und April nehmen wir uns eine Auszeit vom Beruf, vom Job, vom Büro. Marek und Juliane haben Zeit für sich!
Und hoffentlich Zeit für eine Fernreise (trotz Corona), ins Warme, für mindestens vier Wochen. Und Zeit zum Aufräumen, das Leben zu sortieren, die Wohnung zu optimieren. Und – am allerwichtigsten! – Zeit, um uns mit Freunden zu verabreden, um liebe Menschen zu treffen, die wir viel zu lange nicht gesehen haben.

Ob und wie uns das gelingt, könnt ihr vielleicht demnächst hier lesen…

Final(ly) in New York

Die Wohnmobilabgabe lief vollkommen unproblematisch und sogar die Frage, wie wir aus diesem Vorvortort von New York ins zentrale Manhattan kommen sollten, war schnell geklärt: der Vermieter kutschierte uns zum 2 km entfernten Bahnhof und von dort fuhren wir mit dem Vorortzug zur zentralen Penn Station. Ca. 1,5 Kilometer trennten uns nun noch vom Hotel – mit der uns noch gänzlich unvertrauten U-Bahn hätten wir zweimal umsteigen müssen, ein Großraumtaxi war so schnell nicht zu finden und so zog die Koffer-Karawane los! Über die sonnenheißen Bürgersteige des Broadway, quer durch Midtown Manhattan, am Madison Square Park entlang. Uns erwartete ein tolles Hotel, coole Zimmer und eine Roof-Top-Bar für die Nicht-Gäste sogar Eintritt zahlen mussten. Nach kurzer Wartezeit war auch das zweite Drei-Bett-Zimmer bezugsfertig und alle genossen erst einmal eine lange Mittagspause.

Leider kam das angedrohte Gewitter dann doch und wir mussten im Regen losziehen. Wegen der Wärme hatten wir die Nässe irgendwie nicht so gefürchtet, aber mit zwei kleinen Schirmen waren wir definitiv unterversorgt. Also rein ins größte Macy´s-Kaufhaus, um wenigstens für Merle eine neue Regenjacke zu erstehen (ihre hatte sie nämlich bei den Amish liegen lassen und leider war unsere Bitte, sie uns nach New York nachzusenden, nicht erhört worden). Ich würde ja behaupten, im KaDeWe hätte man eine Kinderregenjacke bekommen – dort jedenfalls nicht. Und so tingelten wir weiter Richtung Times Square. Der war trotz Regens ein Erlebnis: riesige bunte Reklametafeln („Guck mal Juliane, da! Nee, da! Ach und da drüben“), verrückt, schrill, aber irgendwie faszinierend. Im Gedrängel blieben wir zusammen, fanden noch ein Abendbrot-Fertigrestaurant und fuhren zurück mit der U-Bahn, ganz easy. ?

Leider war während der Reise keine Zeit und kein Internet geblieben, um sich auf New York ebenso gut vorzubereiten, wie auf Chicago. Und so waren wir wieder mal mit dem Organisieren, Auswählen, Planen und Buchen von Busticket, Eintritten, Öffnungszeiten und so weiter und so fort beschäftigt.
Da das Hotel kein Frühstück anbot, folgten wir am ersten Tag der Empfehlung der Rezeption und landeten in einem herrlich, amerikanischen Diner-Restaurant, wo wir endlich mal fiese Pancake-Berge mit Ahornsirup bestellten. Aber oh weh, die waren nicht nach Kindergeschmack ;-(. Zuviel Schokolade, irgendwo Stückchen drin, woanders Banane drauf, so mussten wir leider viel bezahlen und viel auf den Tellern lassen, schade. Mir hat´s aber geschmeckt (immer ruff uff die Hüfte) und den Kaffee gab´s mit „free refill“ – mein Tag war gerettet. ?

Nachdem wir endlich unsere Tickets für die Hop-on-Hop-off-Busse hatten, fuhren wir zur Südspitze Manhattans, um mit einer gratis Pendler-Fähre möglichst nahe an der berühmten Dame in Bronze-Türkis vorbeizufahren. Dieser Geheimtipp hat sich unterdessen auch bei erstaunlich vielen Touris herumgesprochen und man musste seine Kamera oft über alle Köpfe hinweg zum Fenster hinaushalten. Aber wir haben sie erspäht! Und beim nächsten Mal kommen wir ihr vielleicht noch näher…
Zeit und Ort waren günstig und so befuhren wir noch den Brooklyn-Loop der Hopse-Busse. Die knallige Sonne, das ewige „Was machen wir als nächstes?“, ständige Klagen wie „Buhu, meine Fotos sind nichts geworden.“, die beheizte(!) Sitzbank des Busses, mein Fehler, die eben erst gekaufte Freiheitsstatuen-Sternenkranz-Schaumstoff-Krone zu verlieren, und das Gefühl, irgendwie sowieso niemals überhaupt nur einen Bruchteil dieser tollen Stadt besichtigen zu können, führten zu einem kurzzeitigen Nerven-Zusammenbruch meinerseits. Muss auch mal sein. Den Rest der Tour, inklusive Fahrt über die Brooklyn-Bridge, konnte ich dann aber noch genießen. Geschickt nutzten wir dann noch die andere Bus-Linie, um so nahe wie möglich an unser Hotel heran zu kommen.
Im East Village saßen wir schließlich beim Mexikaner (ohne Klimaanlage, am offenen Balkon), bestellten vorsichtig Essen (lieber nochmal ne Portion nachbestellen) und genossen sogar einen Margarita – nicht ohne die Kinder über die Gefahren des Alkohol-Konsums zu unterrichten. Natürlich haben nur Marek und ich den getrunken!!!

Unser zweiter ganzer Tag in Big Apple begann mit einem reduzierten Frühstück im Café des Hotel-Erdgeschosses. Weniger Essen, halbe Kosten, immer noch Reste – nicht schlecht. Danach ging´s zum Rockefeller-Center, dessen Komplex eine eigene Besichtigung wert wäre. Wir sind schnurstracks mit dem Aufzug (mit Glas-Decke, so dass man das Ende kommen sieht) zu den Aussichtsetagen gefahren. Und da haben wir das Eintrittsgeld wieder abgeguckt, jawoll. Und viele Fotos gemacht.
Weiter ging´s zu Fuß Richtung Central Park, vorbei am T…mp-Tower, vor sich Verkäufer von Anti-Trump-Buttons positioniert hatten, und zur Buslinie, die den nördlich Teil der Stadt befährt und folgerichtig „Uptown-Loop“ genannt wird. Ziel war das New Yorker Guggenheim Museum, wo sich architektonisch der Kreis des Lebenswerkes von Frank Llloyd Wright schließt. Ein Museum, das im Grunde aus einer langen, spindelförmigen Rampe besteht, auf der man im gefühlt ewigen Rundgang von oben nach unten an der Kunst entlang schlendert. Nicht um umstritten zur Entstehungszeit, nun eine Architektur-Ikone und ein beeindruckender Innenraum.
Den Hot-Dog-Imbiss in der Hand saßen wir danach kurz im schattigen Central-Park, aber um die Night-Tour zu erwischen (eine Busrundfahrt ohne Ausstieg durch die Stadt, die niemals schläft), war Eile geboten. Kaum saßen wir im Bus jedoch die schreckliche Erkenntnis: Laurin hatte seine Videokamera verloren! ☹ Nicht nur der Verlust des Gerätes, auch die fehlenden Urlaubserinnerungen und Videospäße trieben ihm Verzweiflungstränen in die Augen. Ich und die anderen fühlten mit – aber ändern ließ sich kaum noch etwas. Selbst wenn jemand in dieser Millionenstadt sie gefunden hätte, es gab keine Möglichkeit, den Eigentümer zu ermitteln. So ergaben wir uns den langweiligen Kommentaren des Tour-Guides und bannten trotzdem noch die Skyline vorm Abendhimmel und die glitzernden Lichter der City auf unsere Fotoapparate.  Am Ende geschah das Unglaubliche: Marek erkundigte sich noch einmal nach dem Bus, mit dem wir vom Museum aus weiter gefahren waren, dieser kam gerade von seiner Night-Tour zurück und tatsächlich, Laurin hatte die Kamera hier liegen lassen und der Busfahrer hatte sie in Verwahrung genommen!!! Welche Wiedersehensfreude (und ordentliches Trinkgeld) das gab. ?
Mit der U-Bahn (inzwischen Vollprofis in Sachen Fahrpreise, Liniennetz und schnellste Verbindungen) fuhren wir zum Hotel in der Nähe des Flat Iron Buildings. Und um den immerwährenden Hunger zu stillen, setzen wir uns noch in den Madison Square Park, bestellten Pommes und Milch-Shake und genossen nicht nur das Essen unter Lampions und Sternenhimmel sondern auch diese total entspannte Stimmung, die mich am meisten an New York überrascht hat.

Überhaupt hatte ich es ganz anders erwartet, chaotischer, noch lauter, abweisender, dunkler (wg. der Hochhäuser) und wenig lebenswert. Stattdessen sahen wir eine muntere, teils sehr gelassene, spannende, sympathische Großstadt, die mir definitiv Lust auf Mehr gemacht hat! Thanks folks!

Letztes Frühstück: Stehimbiss, kleinster Preis, alles aufgegessen – that´s it! ? Das Souvenir-Shoppings an diesem letzten Vormittag absolvierten wir zu Fuß, machten „Schnäppchen“, probierten den empfohlenen Tipp aus, dass man auch im feinsten Hotel aufs Klo gelassen wird, besorgten uns noch Reiseproviant und fuhren schließlich mit zwei Taxis zum Bahnhof, von wo aus der Vorort-Zug uns zum Flughafen brachte.

Da die meisten wissen, dass ich inzwischen wieder da bin, erübrigt sich die Info, dass auch die Rückreise gut und unproblematisch verlaufen ist. Mein Fazit: es war ein toller, anstrengender, aber in jedem Falle lohnenswerter Urlaub, den ich jederzeit wiederholen würde! Die Reisegruppe hat zusammengefunden und -gehalten, die Erlebnisse waren vielfältig und keineswegs nur kindgerechte Unterhaltung. Die USA mögen einen unerträglichen Präsidenten haben, das Thema kam aber eigentlich in unserem Reisealltag nicht vor. Umso mehr haben Marek und ich in Erinnerungen geschwelgt (auch wenn sein und mein Austauschaufenthalt inzwischen 20 Jahre und länger her sind), und die Freundlichkeit der Menschen, ihre egal wie oberflächliche Herzlichkeit und der vorherrschende Servicegedanke sind angenehm und verbreiten gute Laune. Den Mehrwert der Reise trage ich nun auf den Hüften – aber ich habe es genossen, das ist mal sicher.? Ich hatte Spaß – und nun hoffentlich ein paar stressfreie Sommerwochen vor mir, um mich von allem zu erholen…

Look at That!!!

It´s so American!!!

Nachdem wir den großen Seen den Rücken bzw. Auspuff zugekehrt hatten, führte unsere Fahrt quer (und kreuz) durch den Bundesstaat Pennsylvania. Weitere große Städte standen nicht auf dem Plan, stattdessen einige so wunderbar typisch amerikanische Programmpunkte, dass auch ich meine Freude daran hatte.

Shopping!!! Ja, alle vier Kinder wissen nun: Juliane will Schuhe kaufen, sozusagen shoe-shopping! ? Hab ich auch gemacht. Aber in diversen Factory-Outlets und sonstigen Shopping-Malls inklusive Macy´s haben auch alle anderen neue Sachen bekommen. Undurchschaubar dabei, die möglichen Rabatte – ich hab irgendwann aufgegeben und mich einfach nur gefreut, wenn die neue Hose statt des Originalpreises von 49,- USD durch diverse Prozente, Sales und Deals plötzlich nur noch 9,99 USD gekostet hat. Priml ?

Im Übrigen haben wir bis zum Ende der Fahrt keine wirklich günstige Möglichkeit gefunden, bei Lebensmitteln zu sparen. ;-( Alles ist hier deutlich teurer, selbst wenn mal drei Paprika für den Preis von zwei zu haben sind oder zwei Packungen Cornflakes für weniger als das Doppelte, aber nicht wirklich zwei für eins angeboten werden. Und verwirrend ist obendrein, dass alle Preise OHNE Mehrwertsteuer benannt sind – das böse Erwachen kommt also an der Kasse noch einmal. Insgesamt ist es aber natürlich trotzdem günstiger, sich selbst zu bekochen und zu frühstücken (immerhin haben wir versucht, dabei Obst und Gemüse mit auf den Tisch zu bringen – und manchmal wurde es auch gegessen, yeah!).

Nächste amerikanische Kuriosiät: Hershey´s Chocolate World. Hershey´s ist eine ähnlich erfolgreiche Marke wie Ferrero in Europa. Im Ursprungsort Hershey haben die Marketingexperten unterdessen ein Erlebnis-Center errichtet, in dem natürlich alles über die Herstellung der köstlichen Schokolade, die überwältigende Erfolgsgeschichte und die total leckeren Produkte zu erfahren ist. Selbstverständlich in den buntesten Farben, mit überlebensgroßen Figuren der Schoko-Erzeugnisse (also wie ein laufender Kinderschokoladen-Riegel) und in ohrenbetäubender Lautstärke. Bei der Fahrt durch die nachgestellte Produktionskette hatte ich Lachtränen in den Augen, als die Kühe im Stall zusammen mit dem Schwein im Misthaufen ein fröhliches Liedchen trällerten! ? Übrigens war der Eintritt frei, jedoch fast jede weitere Aktion mit einem Aufschlag versehen (selbstverständlich im Package billiger, kauf zwei Erlebnisse und spar dir das Dritte – oder so ähnlich). Wir bezahlten für eine Schokoladenverkostung und ein 4D-Kino-Event. Und man muss es ihnen lassen, den Amis, letztlich ist alles richtig gut gemacht und organisiert, die Show perfekt.

Um den nächsten Tag im ebenfalls installierten Vergnügungspark mit Achterbahnen und allem Drm und Dran zu erleben und nicht weit fahren zu müssen, hatten wir uns auf dem (oh, welch Zufall) nahe liegenden Hershey´s Campground einquartiert (inklusive Bus-Shuttle zu den Attraktionen). Bereits am Abend auf dem Rückweg aus dem Schoko-Paradies erlebten wir allerdings Starkregen und Gewitter, unser Wetterglück hatte sich endgültig verabschiedet.
Dummerweise befand sich unser Stellplatz an einem kleinen Bach, in dem Merle noch am Nachmittag fröhlich herumgewatet war. Mir war schon mulmig und an Schlaf, auch wegen des anhaltend platternden und aufs Dach trommelnden Regens, war kaum zu denken. Als dann um 4.00 Uhr morgens auf Mareks Handy eine offizielle Überflutungs-Warnung kam und draußen schon Service-Personal seine Runden drehte, wurde uns ein höher gelegener Platz zugewiesen und wir fuhren das einzige Mal in Schlafanzügen und ohne angeschnallt zu sein. Der Bach hatte sich zu einem rauschenden Fluss entwickelt, es bestand Sorge, dass die kleinen Brücken ebenfalls überflutet würden. Tatsächlich fiel in den kommenden drei Tagen nochmal sehr viel Regen in unserem Reisegebiet, auch die Einwohner litten unter Überschwemmungen. Der Vergnügungspark wurde gesperrt und so mussten wir spontan umplanen.

In Harrisburg besuchten wir stattdessen ein Museum zum Amerikanischen Bürgerkrieg. Zugegeben ein krasser Kontrast zu den eigentlich geplanten Spaß-Stunden, aber eben auch ein ureigenes amerikanisches Thema. Immerhin hat es uns endlich über die Hintergründe und Umstände informiert, die Aufmachung war eindrücklich und unparteiisch.

Marek hatte sich eine schlimme Nasen-Neben-Ohren-Höhlen-Verstopfungsentzündung zugezogen, über die er sich fast nie beklagt, aber doch ganz schön darunter gelitten hat. ☹ Einige fiebrige Nächte und ewig verstopfte Ohren hätten vielleicht einen Arztbesuch verlangt – aber zum Glück hat er es auch so überwunden. Der Rest der Reisegruppe blieb davon und auch von anderen ernsthaften Leiden verschont.

Ein weiteres typisches Thema sind die in dieser Gegend der USA lebenden Amish-People. Eine aus ehemaligen Einwanderern entstandene Religionsgemeinschaft mit strengen Regeln, die vor allem die Nutzung von elektrischem Strom und eigenen Kraftfahrzeugen verbietet, außerdem insgesamt ein eher asketisches Leben und absolute Zusammengehörigkeit verlangt. Dies drückt sich auch in der schlichten, einheitlichen Kleidung aus. Die Amish leben von der Landwirtschaft und sind eigentlich auch bekannt für ihre handwerklich gut gemachten Produkte.
Daher hatte ich mir ein hochwertiges Einkaufserlebnis versprochen, aber aaaaaaaaaah: nur Kitsch und Ramsch, ganz bestimmt nicht von Hand gemacht, dafür von Kristallglasfigürchen bis zum Pseudo-Trödel alles in Hülle und Fülle. Zum Glück steuerten wir letztlich noch ein altes Farmhaus an, das sogenannte „Amish Village“, in dem wir auf einer Führung etwas mehr über das Leben und die Gewohnheiten der Amish erfuhren, eine kleine Korrektur des Shopping-Disneylandes, das wir vorher erlebten.

Kleine Anekdote am Rande: beim Mittagsimbiss in einer Amish-Bakery (auch ganz auf Touristen eingestellt) verbrühte ich mir an einem vollen Kaffeebecher, den mir die Mitarbeiterin überreichte, leicht die Hand. Ganz ami-like wurde schnell Eis gereicht und als Entschuldigung wurde uns ein Speise-Eis versprochen. Zuschauer des Geschehens rieten mir zu einer Anzeige – aber das wäre dann doch etwas zuviel Aufhebens gewesen, hat auch keine Spuren hinterlassen. Das Eis, das wir dann ausgehändigt bekamen, trug nicht nur vielkalorienversprechende Namen wir „Birthday-Cake“, „Peanut-Butter-Chocolate-Chip-Chunk“ und „Cookies-and-Cream“, es hat uns auch total überfordert!!! Trotz angeblich kleinster Portionierung mussten wir alle (nein, Leo hat es heldenhaft vertilgt!) den Rest entsorgen und waren zum platzen voll. It´s so american! ?

Und dann spielten Wetter und Reiseroute doch noch mit und wir konnten am letzten Tag vor New York in den Six Flags Vergnügungspark gehen. Zum Glück war es ein Wochentag und die Wartezeiten an den Achterbahnen und sonstigen Schaukeln, Karussells und Fahrgeschäften (oh, auf Englisch klingt das alles etwas cooler…) recht kurz. Wir haben alles mitgenommen: Wildwasserbahn, Kinderachterbahn, Kettenkarussell in gefühlt 100m Höhe, Riesenrad, Gondelbahn, gigantische Schaukel und auch noch die wahrlich grenzwertige „El Torro“ Bahn, die Leona, Marek und mir fast einen Herzstillstand bescherte, an begeistertes Kreischen war nicht mehr zu denken! Nach über fünf Stunden mit Sonne, Spaß, Aufregung und Eis fuhren wir unserer letzten Nacht im Wohnmobil und dem Einpacken, Ausräumen und Ausziehen entgegen.

Auf alle Fälle!

Ein Grund für unsere Reise war, dass Marek die Niagarafälle sehen und seinen Kindern zeigen wollte (ein anderer, dass ich schon immer mal nach Chicago wollte, und ein weiterer, dass wir beide noch nie in New York waren – aber das kommt ja noch).

Nun war der Tag also gekommen, schönster Sonnenschein, und schon von weitem sah Merle: „Oh, da hinten qualmt´s!“ Selbst wir haben das noch ein Weilchen angenommen bis klar wurde: das ist der in einer riesigen Wolke aufsteigende Gischt-Nebel, den die sogenannten Hufeisen-Fälle auf kanadischer Seite produzieren. Allein der breite Niagara-River, der die Fälle speist, ist imposant und dann die Kante, die herabstürzenden Wassermassen, die Gischt, das Brausen, das blaugrüne Wasser, weiß-schaumige Strudel im Kessel. Ganz Profi-Touri machten wir erste Fotos, Selfies und Videos, staunten und quietschten, weil der herabfallende Wassernebel eine angenehme Gänsehaut verursachte.

Nicht nur wir waren professionell, auch das ganze touristische Drumherum lief reibungslos: Tickets für „Behind the Falls“ waren schnell erstanden, dann der Fußmarsch zur Anlegestelle der Schiffe, die einen bis in den Hexenwasserkessel und nahe an die sprühenden Wassermassen fährt. Geschützt mit pinken Plastikcapes (zu unserer Belustigung „Mist-Ponchos“ genannt) ließen wir uns auf der Bootstour von dem Naturschauspiel beeindrucken. Und immer die Frage: Fotos machen oder die Technik vor dem Sprühnebel schützen? Mein Versuch, durch die rosa Pelle hindurch zu fotografieren, ergab zwar künstlerisch wertvolle, jedoch inhaltlich eher schwache Bilder ?.

Um unseren Timeslot für die Besichtigung hinter den Fällen zu erwischen, mussten wir im Stechschritt zurück zum Visitor-Center marschieren und uns noch eine Pizza mit Pommes (oh Gott, diese ungesunde Ernährung muss direkt nach dem Urlaub ein Ende haben!!!) reinziehen.

Von der Plattform knapp unter den Fällen ergab sich ein toller Blick auf das donnernde Schauspiel (diesmal übrigens in gelbe Säcke gekleidet – keine Sorge, wir wurden nicht recycelt ?), die Gänge, die in den Fels hinter dem herabstürzenden Wasser gehauen wurden, dröhnten vor allem, waren lang und feucht und gaben zweimal Blicke auf, naja, äh, rauschendes Wasser frei. Also eine Wasserwand, so in etwa, als würde man im Auto in der Waschanlage sitzen bleiben. Eigentlich sieht man eben Nix.

Trotzdem war es ein wunderbares Erlebnis, wir hatten viel Spaß in diversen Plastikumhängen, haben noch den Souvenirshop durchstreift und konnten ein faszinierendes Naturschauspiel bewundern. Im Anschluss begehrten wir wieder Einlass in die USA und verbrachten die Nacht wieder auf amerikanischem Boden mit Sonnenuntergang über dem Lake Erie.