Nun sind wir fast eine Woche lang unterwegs, aber die Eindrücke reichen schon für mindestens die dreifache Zeit. Nach so langer Fernreiseabstinenz und in einer ganz anderen Kultur und Natur prasseln die Bilder, Informationen, Wahrnehmungen und Verhaltensweisen nur so auf uns ein. Mich erinnert Vieles an meine Erlebnisse auf der Radtour durch Thailand, Kambodscha und Vietnam, auch die Einfachheit manch südamerikanischer Straßenkioske taucht vor meinem inneren Auge wieder auf. Marek, bislang ohne diese unkonventionellen Reiseerfahrungen, ist noch mehr beeindruckt von dieser fremden Welt.
Unsere Reiseroute bislang (für alle, die das nachvollziehen können oder wollen): Flug über Doha in Katar, Ankunft in Colombo (de facto Hauptstadt), weiter über Wilpattu Nationalpark nach Anuradhapura, ehemalige Königsstadt (wie so viele hier), dann Aufenthalt bei Sigiriya (auch mal Königssitz) und nun Weiterfahrt nach Kandy (na? richtig: ebenfalls königliches Regierungszentrum).
Im Folgenden ein Stakkato unserer bisherigen Impressionen, nicht nach Verlauf, sondern nach Themen sortiert.
Wetter: Warm, ja. Täglich bis zu 30°C, eher schwül. Darauf konnten wir uns aus dem Berliner Schmuddelwetter heraus, wo stets der Mann mit der Nieselregensprühflasche zugange war, schlecht vorbereiten. Es lässt sich aber erstaunlich gut ertragen, meist weht ein laues Lüftchen und oft sitzen wir auch in klimatisierten Autos oder Hotelräumen, aber der künstlich herbeigeführte Temperaturabfall ist nicht so heftig wie in den USA. Leider hatten wir in den ersten Tagen zum Teil heftige Regenfälle und langanhaltende Regenschauer, die für diese Jahreszeit und Region angeblich ganz untypisch sind… Vielleicht war es für den Anfang gar nicht schlecht, es hat uns von nichts abgehalten. Am ersten wolkig/sonnigen Tag haben wir uns dann gleich einen doofen Sonnenbrand auf Hals und Nacken eingefangen, weil wir zu spät reagiert haben. Zum Glück mussten wir wegen der Besichtigungen heiliger Stätten Schultern und Knie bedeckt halten!
Corona: Steht ja noch in keinem Reiseführer und die offiziellen Informationen versprachen uns sehr geringe Inzidenzen (angeblich unter 50) und keine Einstufung vom RKI als Hochrisikogebiet. Prima! Da sich das Leben aufgrund der stets hohen Temperaturen vorwiegend draußen abspielt, konnte ich das auch halbwegs glauben. Die Einreisebestimmungen waren streng: PCR-Test, Gesundheitszertifikat (Nachweis der Impfungen) und eine verpflichtende Krankenversicherung für Touristen für den Fall aller mit einer Corona-Infektion in Zusammenhang stehenden Maßnahmen. Was wir nicht wussten: hier herrscht grundsätzlich in der Öffentlichkeit Maskenpflicht, die auch von fast allen Menschen eingehalten wird. Erstaunlich! Egal ob auf dem Gehweg, im offenen Tuktuk, im Park, auf dem Tempelgelände unter freiem Himmel – wirklich überall! Das ist selbst uns zu viel… Außerdem gibt es viele Möglichkeiten, sich die Hände zu waschen und zu desinfizieren, die Hotels sind extrem sorgfältig mit allem. Nur beim Essen darf man die Maske abnehmen – tja, dann müssen wir eben öfter und länger mal was essen. 🙂 Und beim Besteigen der Berge haben wir uns selbst der Maskenpflicht enthoben, wie auch viele andere, das ist dann wohl ok. Wir sind uns auch nicht sicher, ob man ermahnt wird, manchmal reißen wir uns die Dinger vom Gesicht, wenn wir uns unbeobachtet fühlen, fast schon exhibitionistisch. In jedem Fall halten wir es für recht unwahrscheinlich, dass wir uns gerade hier mit dem ollen Virus infizieren werden.
Sprache: Singhalesisch und Tamilisch sind die Amtssprachen und so unterschiedlich, dass die Menschen sich gegenseitig wohl nicht verstehen können. Beide Idiome beherrschen wir nicht und wir fühlen uns auch nicht in der Lage, Worte und Kringel-Schriften in absehbarer Zeit zu erlernen. Bislang haben wir jedoch wohl nur Singhalesisch gehört. Leider hat unser Fahrer und Guide auf den Versuch, uns Wörter wie „Danke“ beizubringen, sehr verhalten reagiert – so wird das auch nichts mit der Urlaubs-Minimalfassung. Zum Glück ist so gut wie alles auch noch auf Englisch gekennzeichnet. Irgendwie sprechen auch alle Englisch, nur verstehen tun wir den Singsang leider nicht (sie uns auch nicht). Könnte auch an den Masken liegen, die es sehr erschweren. Jedenfalls kommt immer nur die Hälfte von dem bei uns an, was unser Tourguide sagt, bei anderen Servicekräften oft noch weniger. Wir umschiffen es mit Fassung bzw. haben uns angewöhnt, nochmal nachzufragen (nachdem wir erst immer dachten, der/die andere hat es sicher verstanden – nee).
Straßenverkehr (Gastbeitrag von Marek): Der Verkehr auf Sri Lanka wirkt auf uns ordnungsliebende Deutsche chaotisch. Zunächst einmal herrscht hier Linksverkehr mit allen Konsequenzen: Als Fußgänger kommen beim Überqueren der Straße die Autos immer unerwartet von der falschen Seite, Einstieg ins Auto erfolgt auf der anderen Seite und im Kreisverkehr fährt man im Uhrzeigersinn.
Weiterhin gelten ungefähr diese Regeln:
. Sämtliche Verkehrsschilder und Ampeln dienen lediglich zur groben Orientierung und als Empfehlung.
. Spurmarkierungen gibt es, aber der Sinn erschließt sich uns nicht.
. Fahrradfahrer, Mopeds und Tuktuks gelten nicht als normale Verkehrsteilnehmer und müssen in der Lage sein, sich jeden Moment zu dematerialisieren.
. Überholen darf man grundsätzlich immer und jeden, gern auch Fahrzeuge, die bereits selbst überholen, auch wenn man nichts sieht oder Gegenverkehr kommt. Mit einer einzigen Ausnahme: an Fußgängerüberwegen gilt striktes Überholverbot mit wahrscheinlich drakonischen Strafen. Das führt dazu, dass ein Überholmanöver vor dem Zebrastreifen abgeschlossen sein muss, indem z. B. der andere abgedrängt wird (oder man selber abrupt abbremst).
. „Sicherheitsabstand“ klingt so deutsch, wie es ist.
. Im Stadtverkehr gilt: wer die Nase vorn hat, hat Vorfahrt – also immer möglichst weit vorfahren, dann müssen die Anderen ausweichen.
Hupen heißt in jedem Fall erst einmal „Ich bin da“, außerdem auch: ich halte mich nicht an die „Regeln“, ich überhole, ich habe einen Freund gesehen, ich habe Lust zu Hupen, Tier geh weg. Also gehupt wird eigentlich immer, ist aber nie Ausdruck von Aggression oder Beleidigung.
Zusätzlich zu diesen Umständen schlafen Hunde (viele Hunde!) auf der Straße, queren Kühe, Affen oder Elefanten, stehen Menschen rum und warten oder es wird mal eben die Reis-Ernte zum Trocknen ausgelegt.
Kurzum, um nicht völlig zu verzweifeln, haben wir aufgehört, unserem Fahrer über die Schulter zu schauen und sind schnell dazu übergegangen, ihm zu vertrauen. Zugegeben, wenn er im dichten Verkehr auf seinem Handy rumtippt, um den nächsten Programmpunkt zu organisieren, und die andere Hand gleichzeitig hupen und lenken muss, fällt uns das schon etwas schwer. Aber auch das ist immer noch besser, als selber fahren zu müssen.
Oh, nun müssen wir leider zum Dinner-Buffet unseres Fünf-Sterne-Domizils eilen, um unsere Energie-Speicher wieder aufzuladen. Bisher war das immer ein Hochgenuss und sehr vielfältig. Daher an dieser Stelle nur der Hinweis: Fortsetzung folgt!